Das traurige Ich … Teil 1

Darüber reden wir nicht! Was ist hier eigentlich los? Zuhause ist Streit. Papa wirkt nicht normal. Er ist gereizt und aggressiv, Mutti sagt es ist alles in Ordnung! Ich verstehe das alles nicht, wieso erklärt es mir niemand?

Leider verbinden viele Menschen eine Suchterkrankung immer noch mit Schwäche, Versagen oder sogar Schande. Deshalb zielt das Verhalten der ganzen Familie dahingehend ab eine „heile Welt“ vorzuspielen. Auch Kinder lernen sehr früh nach außen den sogenannten Schein zu wahren und zu schweigen. Diese irrtümliche Regel hält meist bis ins Erwachsenenalter an. 

Kinder lieben ihre Eltern – auch wenn sie suchtkrank sind. Genauso war/ist es auch bei mir. Ich habe meine Familie geschützt und alles getan, um zu verhindern, dass die Familie schlecht dastehen könnte. Dabei war es mir egal, wie oft mein Vater mich beschimpft hat, wenn er getrunken hat. Heute weiß ich, dass ich sehr oft überfordert war. Ich sah mich in der Pflicht Streit zu schlichten und zu vermitteln. Ich hasste den Streit damals wie auch heute. Das schlimmste an der Sache: zum Schluss hieß es „dass hast DU ja wieder schön hinbekommen“. Ich begann „unsichtbar“ zu werden. Es war schwierig „unsichtbar“ zu sein, denn was heißt denn unsichtbar? Für mich hieß es keine Wünsche zu äußern, zu funktionieren, keine Rechte und keine Persönlichkeit zu haben. Ich wollte nicht anecken und keinen weiteren Streit schüren. Unsichtbar hieß für mich aber auch, dass ich für andere Kinder oder Gleichaltrige außer in der Schule nicht wirklich existierte. Ich war es gewohnt allein zu sein und keine Freunde mit nach Hause zu bringen. Wirkliche Freunde habe ich nie gehabt. Erst im Alter von fast 28 Jahren gelang es mir zarte Bande der Freundschaft zu knüpfen.

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