Mein trauriges Ich … Teil 2

Die Regeln: Rede nicht! Traue nicht! Fühle nicht!

Leider waren das die Regeln, die ich auf meinen Weg ins Leben mitbekommen habe. Das schlimme daran, erst seit meiner Therapie ist mir schmerzhaft bewusst geworden, wie falsch diese Regeln waren. Kindern in Suchtfamilien wird täglich vermittelt, dass ihre Sorgen, Nöte, Wünsche und Bedürfnisse keinen Platz haben – das System „Familie“ ist schließlich kompliziert genug. Jedes Ereignis, dass zum sowieso schon vorherrschendnen Chaos dazu kommt, führt dazu, dass alles nur noch komplizierter wird. Das Kind muss Verständnis für die schwierige Situation von Mama oder Papa haben. Es soll brav sein, noch mehr Probleme werden nicht gebraucht. Aber wer hat Verständnis für das Kind?

Mir ging es in meinem Elternhaus genauso, von mir wurde stets ein unauffälliges und unkompliziertes Verhalten erwartet. Bloß keinen Ärger machen. Ich war es jahrelang gewohnt keine eigenen Bedürfnisse zu haben und wenn ich sie hatte, sie nicht zu spüren, sondern zu untedrücken – aus Angst alles wieder falsch zu machen und zu versagen.

Nicht reden bedeutete für mich. Das Alkoholproblem meines Vatrs musste nach außen abgeschirmt werden. Niemand durfte von dieser „Schande“ erfahren. Dies ging soweit, dass das Problem selbst innerhalb der Familie verleugnet wurde. Jede Ansprache auf das Verhalten meines Vaters wurde abgetan – schlimmer noch es entfachte wieder Streit (was mir einfiele ihm zu unterstellen, er würde trinken).

Fühle nicht bedeutete für mich. Die eigenen Probleme, Sorgen und Ängste nicht ansprechen. Es war ja sowieso kein Platz dafür. Mit der Zeit schob ich die Gedanken, die in mir kreisten immer weiter weg und wurde taub für Empfindungen. Unausgesprochene und nicht verstandene Sorgen oder Probleme wurden zu einem Stück Normalität und gehörten zu mir.

Traue nicht bedeutete für mich. Ich lernte meiner eigenen Wahrnehmung zu misstrauen. Alles nur Einbildung. Was ist wahr und was nicht??? Ich habe gelernt alles anzuzweifeln und zu hinterfragen. Diese irrtümlichen Lebenslektionen habe ich star verinnerlicht. Doch davon mehr beim nächsten Mal.

Meggie

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