Mein trauriges Ich … Teil 3

Ich habe mal einen schönen Vergleich gelesen.

Stell dir die Familie als Mobiles vor. Alle Teile sind miteinander verbunden und streben nach Gleichgewicht. Die Belastung oder die Bewegung eines einzelnen bringt das ganze System in Bewegung. Eine ganz wunderbare Beschreibung, was das System Familie betrifft.

Die verschiedenen Rollentypen des Kindes in einer Suchtfamilie:

Der Familienheld oder die Verantwortungsbewusste:

  • meist das älteste Kind

  • übernehmen Verantwortung für Haushalt oder die Erziehung der jüngeren Geschwister

  • das Kind in dieser Rolle wirkt kompetent, überverantwortlich und scheint selbst keine Probleme zu haben

  • das Kind ist sehr stark von Lob und Anerkennung abhängig

  • Familienretter, man muss sich nur anstrengen, dann gelingt es auch

  • diese Kinder müssen immer alles richtig machen, sie leiden unter der Schuld und Angst zu versagen

  • das Kind hat gelernt sich auf niemanden zu verlassen und sich daher am besten selbst um alles kümmert

  • trotz Anerkennung und Lob von außen bleibt das Kind innerlich einsam, es gibt schließlich viel zu verbergen

  • kleinen Helden fällt es schwer sich zu entspannen oder Spaß zu haben

  • im späteren Leben opfern sich diese Kinder für andere auf, sie sind zuverlässig und gewissenhaft, haben aber ständig Angst und Panik das etwas Unvorhersehbares geschieht, dass sie nicht eingeplant haben und sie daran schuld sind

Das schwarze Schaf oder Sündenbock

  • das Kind versucht durch sein Verhalten Beachtung und Aufmerksamkeit zu erlangen, dadurch erscheint es aber eher als zusätzliche Belastung für die Familie

  • das Kind bietet sich als „Übeltäter“ an

  • der „Sündenbock“ läuft eher Gefahr in gefährliche Situationen, wie z.B. Schlägerein, Trinkgelage o.ä. zu gelangen

  • unter der meist aggressiven und abweisenden Fassade dieser Kinder sind Schmerz, Ensamkeit und das Gefühl von Zurückweisung verborgen

Das stille oder vergessene Kind

  • dieses Kind stellt keinerlei Anforderungen, es ist eher unauffällig

  • das Kind lebt zurückgezogen und wird von der „Außenwelt“ als problemlos oder pflegeleicht angesehen

  • Rückzug, Isolation

  • dieses Kind passt sich an, es versucht Konflikte zu vermeiden

  • das Kind fühlt sich einsam, verlassen und leidet an Minderwertigkeitsgefühlen

Der Clown oder Kasper

  • dieser Typ bringt die Familie zum Lachen

  • das Kind versucht bewusst oder unbewusst das Gefühl zu vermitteln, dass alles halb so schlimm ist

  • teilweise werden diese Kinder nicht richtig von der Familie ernst genommen

  • diesem Kind fällt es schwer emotional erwachsen zu werden, seine Stratergie: Ablenkung und Vermeidung

Grundlage für die Informationen war folgende Broschüre:

Kindern von Suchtkranken Halt geben

Ich selbst sehe mich in der Rolle der Verantwortungsbewussten. Ich habe frühzeitig gelernt den Haushalt in Ordnung zu halten, damit mein Vater mich nicht beschimpft. Ordnung war wichtig. Wurde dies von mir nicht erfüllt, war ich „stinkend faul“. Auch hinsetzen und ein Buch lesen war nicht erlaubt. Sah mich mein Vater so, dann war ich „bequem“, würde nichts machen, faul und dumm. Ja dumm, dass war ich ziemlich oft für ihn. Zeitweise hatte ich Angst mich zu setzen, einfach aus Angst wieder beschimpft zu werden, deshalb stand ich lieber. Stehen, so bildete ich mir ein, hat was mit „aktiv sein“ zu tun. Alles, nur nicht sitzen und wieder „faul“ sein.

Ich habe meiner Mutter von diesen Beschimpfungen erzählt. Gebracht hat es nichts. Ich glaube sie hatte selbst Angst vor meinem Vater, Angst davor angeschrien oder geschlagen zu werden. Als ich nach ein paar Tagen bei meiner Mutter nachgefragt hatte, sagte sie mir, er habe gesagt, er hat das nicht zu mir gesagt und dabei wurde es auch belassen. Ich kann mich noch genau an Situationen erinnern, in denen mein Vater mich beschimpft hat, meine Mutter sogar anwesend war und sie sich nicht vor mich gestellt hat.

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