Nur ein Mädchen

Ich wollte nur ein Mädchen sein, mit allem, was dazu gehört…

Was heißt es denn ein Mädchen zu sein?

Versuche ich es über die bloße Begriffserklärung, fällt mir dazu folgendes ein:

Ein Mädchen ist ein junger Mensch weiblichen Geschlechts, der Kind oder Jugendliche, aber eben noch keine Frau ist.

Aber wo bleibt in dieser Erklärung das, was ein Mädchen ausmacht?

Ich rede in meinem Fall von Ponygeschichten, wilden Kissenschlachten mit den Freundinnen, bunten Fingernägeln und viel zu viel, überhaupt nicht zusammenpassender, Lidschatten. Ja, ich denke dass macht für mich den Begriff eines Mädchens aus – Spaß haben, verrückte Dinge tun und ganz viel lachen. In meiner Fantasie sehe ich mich als 10 jähriges Mädchen in ein Meer von Kissen gekuschelt. Im Hintergrund läuft Bibi und Tina. Ich höre aufmerksam zu, während ich mein Ponygeschichtenbuch, welches ich später lesen möchte, in den Händen halte. Der bunte Nagellack, der weder deckend noch sauber aufgetragen ist, blättert langsam ab, aber das macht nichts. Mutti wird mir nachher sicher mit der Entfernung helfen und sie hat versprochen, dass sie mir erklärt wie das mit dem Lackieren richtig funktioniert. Ich freue mich darauf. Mit Mutti ist es immer so schön – gemütlich so vertraut. Doch halt ich bin in meiner Fantasie. In Wirklichkeit bin ich 31 und liege neben meinem Ehemann im Bett – wir hören gemeinsam Bibi und Tina. Der Nagellack ist perfekt aufgetragen und nix blättert ab. Auf meinem Bausch schnurrt meine Katze.

Mit 31 ein Mädchen sein geht das?

Oh ja das geht, wenn du es nie sein durftest. Ich liebe genau wie das 10 jährige Mädchen Nagellack und schminke mir die Augen knallbunt. Es macht Spaß anders zu sein und all das nachzuholen, was zu hause nicht möglich war.

Ich liebe es mittlerweile anders zu sein, den anders ist auch normal – und was ist überhaupt schon normalJ.

Und nach außen?

Meiner Mutter gegenüber bin ich immer noch das kleine unscheinbare Mädchen, ohne Nagellack und ohne bunte Augen. Aber das ist auch gut so, ich möchte diese neue Identität für mich behalten und nicht mit meiner Familie teilen. Ich hatte und habe ein großes Problem meiner Mutter als Frau gegenüber zu treten. Sie hat mich erfolgreich „klein“ gehalten. Aber muss ich ihr denn überhaupt als Frau gegenüber treten? Ehrlich gesagt will ich es gar nicht mehr. Ich muss ihr nichts beweisen. Das einzige was zählt, ist das ich die Schlacht in meiner Rolle als Kriegerin für mich gewinne. Für mich gewinnen heißt – innerlich wachsen, an dem, was ich genießen kann. Ob ich es mit anderen teile, bleibt ganz mir selbst überlassen.

Während ich diesen Eintrag schreibe, breitet sich ein warmes Gefühl in mir aus. Ein Zeichen dafür, dass es richtig ist. Dabei fällt mir ein, dass ich mir heute die Nägel neu lackieren könnte und vielleicht höre ich dabei Bibi und Tina J

Bunte Grüße, Meggie

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