Was ist nur los mit mir?

Irgendwie habe ich es schon immer gemerkt, irgendetwas stimmt mit mir nicht. Lange wusste ich nicht was es ist, bis ich einfach mal in die Google-Suche „Vater Alkoholiker“ eingab.

Was ich dann las, öffnete mir nach jahrelangem suchen für die Lösung meines Gefühls die Augen – „Erwachsene Kinder von Alkoholikern“. Diese Bezeichnung habe ich zuvor noch nie gehört. Also klickte ich mich durch die Suchergebnisse. „Ist es eigentlich normal, das eigene Leben als eine Art Dauerkrise zu erleben? Ist es normal, dass man immer wieder an die gleiche Art von Partner/innen gerät, mit denen man die immer wieder gleiche Art von destruktiven Beziehungen lebt? Ist es normal, seinen Platz im Berufsleben ewig nicht zu finden und sich auf jeder Stelle als Fehlbesetzung zu fühlen? Was ist eigentlich normal? War es normal, was in der eigenen Familie als Normalität gelebt wurde? Könnte das Suchtproblem von Vater oder Mutter etwas damit zu tun haben, dass man einfach oft den „Code“ nicht kennt, mit dem dieses Leben sich erschließt?“ (http://www.nacoa.de/index.php/infos-fuer-erwachsene-kinder, 2013)

Meinen Gefühlen habe ich nie die entsprechende Aufmerksamkeit entgegengebracht. Ich war es gewohnt so zu leben, wie es eben war. In meiner Herkunftsfamilie wurde nie über die Sucht meines Vaters gesprochen – schlimmer noch sie wurde sozusagen toleriert und der Rest der Familie hatte sich mit seinem Leben eben einfach anzupassen – die Sucht zu decken und zu verstecken. Meine Mutter habe ich sehr oft gefragt „sag mal findest du nicht, dass Papa zuviel trinkt?“. Darauf bekam ich die Antwort, dass ich mir dies alles nur einbilde und das alles in Ordnung sei. Heute weiß ich, das nichts in Ordnung war und das ich mit den Auswirkungen dieser „Verschleierungstaktik“ tagtäglich zu kämpfen habe. Bei Nacoa – Interessenvertretung aus Suchtfamilien e.V. habe ich eine sehr treffende Übersicht gefunden (die Übersicht habe ich auf meine Probleme beschränkt):

– mangelnde Selbstannahme

– Probleme Beziehungen zu führen

– Neigung zu Überverantwortlichkeit

– Kontrolle gegenüber anderen Menschen

– Selbstzweifel

– Ängste

– Depressionen

– selbstschädigendes Verhalten

Lange habe ich diese Probleme nicht wahrgenommen und als „normal“ angesehen. Schlechte Gefühle gehörten zu meinem täglichen Leben dazu. Doch ich habe mich aufgerappelt und begonnen was zu verändern. Seit ca. 2 Jahren bin ich in therapeutischer Behandlung. Kleine Erfolge sind zu verzeichnen, aber die eingefahrenen Spuren der Vergangenheit lassen sich nicht einfach kaschieren – jeden Tag neu kämpfen und Rückschläge in Kauf nehmen. Aber es lohnt sich, es ist wundervoll eigene Bedürfnisse zu erkennen, zu spüren und sich diese zugestehen. Mein Leben hat sich in diesen 2 Jahren Therapie grundlegend geändert. Ich möchte jede/n ermutigen den Schritt nach außen zu machen. Du hast nichts falsch gemacht, dir wurde etwas angetan. Diese Wunden sitzen tief und niemand weis, ob sie je geheilt werden können, aber es gibt eine Linderung.

Alkoholismus ist eine Familienkrankheit. Jeder leidet, AUCH die Kinder. Leider wird das sehr oft vergessen, weil Kinder anpassungsfähig sind. Kinder lassen sich Raster und Abläufe stecken. Sie wehren sich nicht. Sie tragen die Erlebnisse meist ein ganzes Leben mit sich herum.

Ich oute mich, damit ich den Kreis durchbreche. Ich möchte kein Mitleid, was ich möchte, ist in den Menschen ein Bewusstsein für die Kinder zu schaffen, die in einem Alkoholikerhaushalt leben und Tag für Tag still leiden.

Meggie

1 Comment

  1. Danke Meggie für diesen aufrichtigen und ehrlichen Beitrag! Es ist nie einfach darüber zu schreiben/ reden, aber ein guter Schritt.
    Alles Gute!

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