„Zwei Mädchen: Istanbul – Story“ Perihan Mağden

Ein ungewöhnliches Buch. Aber unbedingt empfehlenswert.

„Zwei Mädchen: Istanbul – Story“ handelt von Behiye und Handan. Beide Mädchen könnten unterschiedlicher nicht sein. Behiye rebellisch, wütend, intelligent und unsagbar traurig. Handan hübsch, süß und Lebensbejahend. Als sich beide kennenlernen, fühlen sie sich sofort zueinander hingezogen und können sich ein Leben ohne die andere nicht mehr vorstellen. Alles ist möglich, solange sie nur zusammen sind.

Behiye zieht spontan bei Handan und ihrer Mutter ein – Behiye flieht regelrecht vor ihrer weinerlichen Mutter und ihrem Bruder, der sie lieber in einer unterdrückten Frauenrolle sehe. Behiye hat die Nase voll, bei Handan geht es ihr gut – sie fühlt sich komplett. Aber auch Handan hat es nicht leicht. Ihre Mutter finanziert das Leben mit Geldgeschenken ihrer ständig wechselnden Männerbekanntschaften und trinkt viel.

Die Beiden Mädchen möchten weg, ein anderes Leben führen, als ihre Mütter.

Zum Schluss gelingt dies allerdings nur einem Mädchen, das andere bleibt tief verletzt zurück.

Die Handlung des Romans erstreckt sich über 19 Tage. In diesen Zeitraum erhält der Leser einen intensiven Einblick in das Leben der beiden Mädchen zwischen alten althergebrachten und aufstrebenden modernen Ansichten.

Der Autorin gelingt es die Zerrissenheit der Mädchen, hier besonders bei Behiye, zum Ausdruck zu bringen. Behiye schwankt in ihrer Wahrnehmung zwischen starken Hochs, immer dann wenn sie Handan wahrnimmt – ihren Geruch, ihre Schönheit und das Gefühl für sie kochen zu können. Auf der anderen Seite gibt es da aber auch dieses extreme Tief, welches immer dann zum Vorschein kommt, wenn sich Handan mit Jungs verabreden möchte oder mit anderen Menschen spricht.

Das Buch besticht durch den ungewöhnlichen Schreibstil der Autorin. Sätze werden immer wieder auseinandergenommen und in ihren Einzelteilen wieder neu zusammengebaut.

Ein kleines Fragezeichen bleibt allerdings. Die Autorin baut verschiedene Leichenfunde in die Geschichte ein. Gehören diese zur Geschichte? Steht dies im Zusammenhang mit Behiye oder Handan? Ich persönlich vermute im Nachhinein, dass es einen Zusammenhang zwischen den Funden und Behiye gibt. Ich sehe diese Einflechtungen als Gedankenblitz in die Zukunft. Behiye kauft sich während des Handlungsverlaufs ein Skalpell, mit welchem sie das Böse von Handan fernhalten möchte. Weiterhin gibt es eine Stelle im Buch, in der sich Behiye vorstellt wie es wäre, mit dem Skalpell jemanden zu töten. Wen von euch jemand das Buch gelesen haben sollte, würde ich mich über eure Interpretation freuen 🙂

eure Meggie

Submit a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *